{"id":2446,"date":"2024-12-04T08:55:22","date_gmt":"2024-12-04T07:55:22","guid":{"rendered":"https:\/\/schloss-oberstein.de\/themes\/twentyseventeen\/?p=2446"},"modified":"2024-12-04T08:55:22","modified_gmt":"2024-12-04T07:55:22","slug":"schloss-oberstein-und-die-heilige-barbara","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schloss-oberstein.de\/themes\/twentyseventeen\/?p=2446","title":{"rendered":"Schloss Oberstein und die heilige Barbara"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Beitrag in der NZ von Dr. Regina Gei\u00df-Dreier<\/p>\n<p>Am heutigen 4. Dezember ist Barbara-Tag. Bei den Bergleuten, bei der Bundeswehr, bei der Artillerie, der Feuerwehr und bei verschiedenen anderen Berufsgruppen wird an diesem Tag der heiligen Barbara gedacht. Die Schutzheilige und M\u00e4rtyrerin z\u00e4hlt zu den 14 Nothelfern, die bei Gewitter, Feuer, Krankheit und Tod helfen und retten sollen. Welche Verbindung die heilige Barbara zu Schloss Oberstein hat, erkl\u00e4rt die Pr\u00e4historikerin Regina Gei\u00df-Dreier, die dort oben seit Monaten gr\u00e4bt und forscht.<br \/>\n\u201eDer Legende nach lebte Barbara, eine junge, sehr h\u00fcbsche Frau, Ende des 3., Anfang des 4. Jahrhunderts in der r\u00f6mischen Stadt Nikomedia, dem heutigen Izmit, rund 100 Kilometer s\u00fcd\u00f6stlich von Istanbul gelegen. Von ihrem Vater Dioscuros wurde sie in einen Turm gesperrt, um sie von Verehrern und christlichen Religionsanh\u00e4ngern fernzuhalten. Dennoch konnte sie entfliehen. In einem Felsspalt, der sich wundersam im Gestein \u00f6ffnete, versteck\u2010 te sie sich. Deshalb ist sie die Patronin der Bergleute.<br \/>\nVom Heiligen Geist erleuchtet, lie\u00df sie sich gegen den Willen des Vaters christlich taufen. Dies bedeutete im heidnischen r\u00f6mischen Reich das Todesurteil. Sie wurde verraten, gefangen genommen, auf schlimmste Art gefoltert und schlie\u00dflich zum Tode durch Enthauptung mit dem Schwert verurteilt. Ihr Vater, der sie eigenh\u00e4ndig t\u00f6tete, soll dabei vom Blitz getroffen und verbrannt sein.\u201c<br \/>\nAber was hat die heilige Barbara mit den Herren von Burg und Schloss Oberstein zu tun? Die Verehrung der heiligen Barbara war bereits im 14. Jahrhundert bei den Bergleuten in B\u00f6hmen, Sachsen und Schlesien weit verbreitet. Arch\u00e4ologische Funde vom Obersteiner Schloss weisen nun darauf hin, dass auch die Herren von Daun-Oberstein die Schutzpatronin kannten und verehrten.<br \/>\n\u201eWie wir wissen, geh\u00f6rte zu einem behaglichen Wohnkomfort im 14. Jahrhundert in den Privatgem\u00e4chern der Burgherren auch ein Kachelofen. Bei den Sanierungsarbeiten und Ausgrabungen in den Jahren 1983 bis 1992 wurden zahlreiche Fragmente verschiedenster Ofenkacheln gefunden. Besonders interessant sind die gr\u00fcn oder gelb glasierten Nischenkacheln, auch Halbzylinderkacheln genannt, deren oberes Kachelblatt reich mit Reliefs verziert ist, zum Beispiel Figuren, Tieren, Fabelwesen, Ornamenten oder Blatt- und Bl\u00fctenmotiven\u201c, erl\u00e4utert Regina Gei\u00df-Dreier.<br \/>\nAuf Fragmenten von f\u00fcnf Nischenkacheln entdeckte die Arch\u00e4ologin auch das Motiv der heiligen Barbara. Sie ist an ihren typischen Attributen zu erkennen: der Krone, dem Turm, einem Kelch mit Hostie, einem Schwert, einem Palmenzweig oder einer Pfauenfeder. \u201eAuf den Obersteiner Kacheln ist die Barbara jeweils in der oberen linken und rechten Ecke in einem langen Gewand mit Krone dargestellt. In der linken Ecke h\u00e4lt sie in der rechten Hand eine Feder oder ein Schwert und in der rechten Hand den Turm. Rechts daneben erkennt man einen stilisierten Kelch mit Hostie. In der rechten Kachelecke h\u00e4lt sie in der Linken eine Feder, in der Rechten ein f\u00fcnfspeichiges Rad. Die Kacheln k\u00f6nnen aufgrund von Vergleichsfunden anderer Burgen etwa ins 14. Jahrhundert datiert werden.\u201c<br \/>\nDoch in welcher Funktion verehrten die Nachfahren Wirichs I. die heilige Barbara? Wurde sie \u201enur\u201c als Schutzheilige in der Not (bei Blitz, Feuer, Krankheit et cetera) angerufen, oder hatte sie auch schon in Verbindung mit dem Bergbau eine Bedeutung, denn Erze gibt es in unserer Region reichlich? Sie wurden bereits von den Kelten und R\u00f6mern abgebaut. Auch das erkl\u00e4rt die Historikerin: \u201eEs ist bekannt, dass die Herren von Oberstein besonders an den kostbaren Edelsteinvorkommen interessiert waren, die schon im 14. Jahrhundert im Saar-Nahegebiet gefunden wurden. 1375 werden sie erstmals von dem Metzer Domherrn Otto von Diemeringen erw\u00e4hnt. Urkunden aus den Jahren 1368 und 1375\/76 bezeugen, dass die Daun-Obersteiner Herren \u2013 m\u00f6glicherweise Emich II. (genannt 1342\u20131372) und sein Sohn Philipp II. (genannt 1393\u20131423) \u2013 L\u00e4ndereien um Freisen und Oberkirchen kauften und teilweise von Lothringen zum Lehen erhielten. Rund um Freisen und den Wei\u00dfelberg bei Oberkirchen sind besonders sch\u00f6ne Achate entdeckt worden. Es ist wohl kein Zufall, dass die Daun-Obersteiner sich schon fr\u00fch diese Gebiete in ihren Herrschaftsbereich einverleibten. Der Achatabbau im Steinkaulenberg im Idar-Obersteiner Stadtteil Algenrodt erfolgte wohl erst im 15. Jahrhundert.\u201c<br \/>\nEine Abgabenverordnung von 1497 \u00fcber die Sch\u00fcrfrechte sicherte Wirich IV. eine reiche Einnahmequelle. Gegen die Abgabe eines jeden dritten Zentners durften die Untertanen nach Edelsteinen graben. Verst\u00f6\u00dfe wurden \u201ebey Leib vndt Lebensstraff\u201c geahndet. Der Abbau von Achaten, Amethysten, Jaspisen und anderen Mineralien besa\u00df somit einen nicht unbedeutenden finanziellen Stellenwert. Die historischen Quellen und die Darstellungen der heiligen Barbara auf den Kacheln eines Ofens im Obersteiner Schloss legen nahe, dass die Schutzpatronin nicht nur wegen ihrer Tapferkeit, Standhaftigkeit und als Nothelferin verehrt wurde, sondern auch von den im Bergbau arbeitenden Untertanen Unheil abwehren sollte. red<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; Beitrag in der NZ von Dr. Regina Gei\u00df-Dreier Am heutigen 4. Dezember ist Barbara-Tag. Bei den Bergleuten, bei der Bundeswehr, bei der Artillerie, der Feuerwehr und bei verschiedenen anderen Berufsgruppen wird an diesem Tag der heiligen Barbara gedacht. 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