
Wetter abhängige Konzerte zu planen birgt immer ein gewisses Risiko. Gabriele Werle, Tilman Engelhardt und Christian Kurtzahn hatten das aber für ihr Programm „Sommer im Turm“ auf dem Schirm. Das Dach im Schlosshof schützte sie, die rund dreißig Gäste und die heiklen Instrumente. Der Regen plätscherte sanft, Kurtzahn ließ sich nicht beirren: „Oben im Norden feiert man bei jedem Wetter!“ Mit Titeln wie „You are my Sunshine“, You are the sunshine of my Life” zauberten der Pianist Kurtzahn und der Saxophonist Engelhardt ein Lächeln auf die Gesichter der Gäste, das genauso wärmte wie echte Sonnenstrahlen. Wohl wissend wieviele geübte Sängerinnen und Sänger sich eingefunden hatten, bat Chorleiter Kurtzahn ums Mitmachen bei „Let he Sunshine in“ aus dem Musical „Hair“ und brachte den „Chor“ sogar dazu den hübschen, eher unbekannten Kanon „A Summer’s over“ dreistimmig zu singen. Seit Jahren gestalten er und Gabriele Werle dieses kombinierte Format gemeinsam. Auch diesmal glänzte sie wieder als Rezitatorin mit großer Überzeugungskraft. Etliche bekannte Gedichte streute sie ein. So das schöne Gedicht „Bei einem Wirte wundermild“ von Ludwig Uhland“, das einen großen Baum als Gastgeber preist, und auch Friedrich Hebbels „Herbstbild“ („Die ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah“). Sehr mutig zeigte sie sich beim Vortrag von Rainer Maria Rilkes berühmtem „Herbsttag“. Die Melancholie der Verse „Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr“ und „Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben“ kehrte sie kurzerhand ins Gegenteil. OB der Meister diskutiert hätte?? „From Summer to Autumn“ stand oben auf dem Programmzettel. Diesen Übergang, den wir gerade intensiv erleben, fingen die Drei kunstvoll ein. Pracht und Überfülle, aber auch fallende Blätter, verbunden mit Abschied und Wehmut setzten sie musikalisch in wunderschönen, oft kontrastreichen Improvisationen um. Je nach Charakter verwendete Engelhardt auch die Blockflöte oder die geschickt mit Mundstück angepasste Querflöte. Man spürte die Harmonie zwischen den beiden, mal mehr Jazz, mal mehr Blues oder Rock. Großes Bedauern, als nach einer guten Stunde schon die Zugabe angesagt wurde, eine in Moll getauchte Impro über „Bunt sind schon die Wälder“. Der Abendhimmel spendierte Applaus mit ein paar Sonnenstrahlen. Text: Jutta Gerhold, Fotos: Michael Dietz
Kommentare sind nicht zulässig.