
Nahe-Zeitung, 16.05.2026
Von Jutta Gerhold
Idar-Oberstein. Ein Schloss mit seinem Schloss-Chor und seinen Schloss-Konzerten: ein Erfolgsrezept. Am vergangenen Sonntag gab es wieder ein begeistert angenommenes Spektakel auf Schloss Oberstein. 35 Sängerinnen und Sänger in mittelalterlich anmutenden Gewändern musizierten mit einer Gruppe Instrumentalisten, die das Publikum schon kannte: mit Dudelsack, keltischer Harfe und Gesang, Daniela Heidrich, mit der Nyckelharpa, Regina Kunkel, Björn Kaidel, der auch diverse „Cittern“ bediente, und Knut Seckel drehte seine Leier. Er hatte auch großen Erfolg als Sänger.
„Time, Zeitsprünge ins Mittelalter“ – unter diesem Titel hatten der Chorleiter und Pianist Christian Kurtzahn und seine Rezitatorin Gabriele Werle (eine promovierte Germanistin) einen Reigen aus Madrigalen, Trink,- Frühlings- und Liebesliedern aus der Renaissance zusammengestellt, die mit Songs von heute kontrastierten. „Vergleicht man die Texte dieser so weit auseinanderliegenden Epochen, merkt man schnell, dass die Bedürfnisse und Sehnsüchte der Menschen sich nicht gewandelt haben“, erläuterte Gabriele Werle. Sie hatte neben Mascha Kalékos Gedicht „Lenz“ mit eigenen Texten kunstvoll und tiefsinnig die Atmosphäre verdichtet.
Der anspruchsvolle Song „Time“ von Jennifer Lucy Cook hatte den Chor etliche Schweißperlen gekostet. Welche Jahreszeit ist besser geeignet, um Sorgen beiseite zu schieben als die „Maienzit“? Das Konzert geriet zum Lobgesang auf einen guten Wein und eine junge Liebe.
Oliver Gies‘ „Festung“ durfte nicht fehlen. Seine Interpretation des Volksliedes „Kein schöner‘ Land“ lag Kurtzahn besonders am Herzen: „Für Gies ist unsere ,Heimat‘ nichts weniger als unser Planet, den gilt es zu schützen“, ist seine Botschaft.
Die dunklen Regenwolken hielten ihre Tropfen zurück, sodass die fetzige Zugabe, der Song des Walfängers „Wellerman“, noch trocken mitgestampft werden konnte. „Ein tolles Konzept“, lobte man einhellig. Das nächste dieser Art ist in Planung. Mit Nummer drei wäre eine Tradition begründet.
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